Friday, January 13, 2006

2. Essay - Franz Boas und seine Nachfolger

Was macht den Zusammenhalt von Gesellschaften aus und wie sind sie aufgebaut? Wodurch unterscheiden Gesellschaften sich und welche Gemeinsamkeiten haben sie? Welchen Einfluss hat Sprache auf die Art und Weise, wie Menschen ihr Leben gestalten?

Das sind nur wenige von vielen Fragen mit denen sich unter anderem Franz Boas beschäftigte.



FRANZ BOAS (1858 – 1942)


Franz Boas stammt aus einer jüdischen Familie und wurde am 7. September 1858 in Minden in Deutschland geboren [1]

Schon als Kind hat er sich für Naturwissenschaft interessiert und studierte schließlich Geographie an der Universität in Heidelberg und in Bonn.
1883 erforschte er die physische Umgebung und das Wissen der Bewohner über die Umwelt bei den Inuiten auf der Baffin-Insel (Kanada). Dadurch verabschiedete er sich von seiner Einstellung, dass der Mensch von der Umwelt beeinflusst wird und beschäftigte sich intensiver mit der Anthropologie.
Danach kehrte er für kurze Zeit zurück nach Deutschland jedoch sollte seine Karriere ihren weiteren Verlauf in Amerika nehmen [2]. 1886 wanderte er aus und betrieb eine Forschungsreihe bei den Kwakiutl. Durch diese Erkundung wurde die evolutionistische Theorie von Lewis Henry Morgan erstmalig eindeutig in Frage gestellt. Die Kwakiutl waren nämlich nicht, wie behauptet, eine Gesellschaft der untersten Entwicklungsstufe, sondern sesshafte Jäger und Sammler. Sie besaßen ein ausgeprägtes Kunsthandwerk, üppige Holzhäuser mit Totempfählen und vor allem eine starke innere soziale Hierarchie. [3] Seine Forschungsergebnisse zu deren Geschenketauschzeremonie, dem so genannten „Potlach“ wurden unter anderem vom französischen Ethnologen Marcel Mauss in Anspruch genommen. Boas' Erfahrungen bei den Kwakiutl beschäftigten die Anthropologie über viele Generationen [4].
1896 – 1936 war er als Lehrer an der Columbia University in New York tätig. Sein Department wurde schnell zu dem Zentrum der amerikanischen Anthropologie.



Franz Boas war eigentlich ein guter Feldforscher. Im Gegensatz zu den Evolutionisten reiste er sehr viel und hat Sprachen gelernt. Aufzeichnungen waren für ihn von großer Bedeutung und er sammelte viele Kunstobjekte und Skelette. Ingesamt hat er 12 Feldforschungen vor allem an der Nordwestküste Amerikas unternommen. [2]

Die grundsätzlichen Themen, mit denen sich Boas bei seinen Erkundungen beschäftigte waren:

-Kunst
-Mythologie
-und Sprache. [5]


THEORIEN

Sprache war für ihn gleichbedeutend wie Kultur. Es reicht nicht aus nur „dabei zu sein“, sondern man muss sie von Kind auf erlernen. Seiner Meinung nach werden durch die Sprache oft Barrieren aufgebaut, da sie schwer zu erlernen ist und doch kommt es erst durch sie zum Ausdruck von Kultur. [3]
Weiters analysierte er die Sprache grammatikalisch und unternahm sogar Schädelabmessungen um physische Merkmale, bzw. Variationen und Unterschiede in der Sprache feststellen zu können.
Er machte Verteilungsstudien über kulturelle Phänomene (z.B. Wie ist der Ablauf einer Produktion von Töpfen?)
Das Verhalten eines Volkes wird nicht wesentlich durch biologische Abstammung bestimmt, sondern durch seine Kultur und Tradition.


Er ist nicht nur der Gründervater der „Cultural Anthropology in Amerika“, sondern durch ihn wurde der Evolutionismus zurecht kritisiert und er war verantwortlich dafür, dass die Anthropologie z.B. in Universitäten und Museen sesshaft und anerkannt wurde. [6]

Franz Boas verdankt man den „4-Field-Approach“ bestehend aus:

1.) physischer Anthropologie
2.) Archäologie
3.) Linguistik
4.) Sozial- und Kulturanthropologie [2]

ursprünglich war er nur für die Erforschung der indigenen Bevölkerung Nordamerikas gedacht. Der Erfolg sprach aber für sich und der „4-Field-Approach“ wurde zu einem Grundprinzip in der amerikanischen Anthropologie. [6]

Eine seiner bedeutendsten Theorien ist jene des klassischen Kulturrelativismus.



Kulturrelativismus

Durch den Kulturrelativismus kam es zu einer Neuetablierung von theoretischen Grundannahmen in der Anthropologie und alte Denkansätze wurden somit verworfen.
Nach Boas ist jede Kultur relativ und nur aus sich selbst heraus erfahr- und erklärbar.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen schwachem und starkem Kulturrelativismus.

Beim schwachen Kulturrelativismus konzentriert man sich darauf, dass jede Kultur Besonderheiten aufweist und gleichzeitig auch verschiedene Gemeinsamkeiten. Erst durch die Herauskristallisierung der Einzelheiten stößt man auf die Gemeinsamkeiten.

Vertritt man jedoch den starken Kulturrelativismus, so ist man der Meinung, dass jede einzelne Kultur so starke Unterschiede aufweist, dass man sie kaum mit anderen vergleichen kann. Das Relative ist somit absolut. Diese Haltung wird jedoch oft als ethnozentristisch bezeichnet, da von Grund auf behauptet wird, dass eine Gesellschaft anders als die andere sei.

Boas selbst kann man zu den schwachen Kulturrelativisten zählen. Seine relativistische Theorie diente auch dazu, um gegen Rassismus, Antisemitismus und Glaubensfanatismus zu argumentieren. [7]


Seine wichtigsten Werke waren unter anderem:

1911 The Mind of Pimitive Man
1926 Primitive Art
1928 Anthropology and Modern Life
1938 General Anthropology (Kritik am Rassismus)
1940 Race, Language and Culture

Boas starb am 21. Dezember 1942 bei einem Mittagessen, das zu seinen Ehren gegeben wurde. Er stammelte seine letzten Worte „I have a new theory of race...“, und bevor er weitersprechen konnte, starb er in den Armen der Person, die neben ihm saß: Claude Lévi-Strauss. [5]



NACHFOLGER

Franz Boas Studenten (viele davon auch deutschsprachig) entwickelten seine Lehre mit Enthusiasmus weiter. In der amerikanischen Anthropologie zählt die Boas’sche Generation zu den Wichtigsten in der ersten Hälfte des 20. Jhdt.



1. Generation

Alfred Kroeber (1876 – 1960)

Er war ein starker Kulturrelativist und Verdienste von ihm sind, dass er sich schon früh um eine Dokumentation der aussterbenden Völker Australiens bemühte und dass er die verschiedenen Kulturen der nordamerikanischen indigenen Bevölkerung in Kulturareale, also in Gebiete von genereller kultureller Ähnlichkeit, einteilte. [8]


Robert Lowie (1883 – 1957)

Geboren in Wien, wanderte er schließlich nach Amerika aus und beschäftige sich weiterführend mit dem schwachen Kulturrelativismus. Seiner Meinung nach ist Kultur dynamisch und verändert sich ständig. [3]



2. Generation

Ruth Benedict (1887 – 1948) und ihre Assistentin Margret Mead (1901 – 1978)

Als „starke Kulturrelativistin“ und beeinflusst von Friedrich Nietzsche wurde Ruth Benedict vor allem durch ihre Nationalcharakterstudien bekannt.



Ihre wichtigsten Werke waren:
-Patterns of Culture (1934) – berühmtestes und meisterkauftes Werk in
der Ethnologie
-Race - Science and Politics (1940)
-The Chrysanthemum and the Sword - Patterns of Japanese Culture (1946).
Diese Arbeit wurde im Auftrag des „office of war information“ geschrieben.
Das amerikanische Militär wurde dadurch strategisch beraten – der Gegner
sollte besser verstanden werden.

Sie beschäftigte sich mit dem Phänomen, warum Gesellschaften, die geographisch in einer ähnlichen Umgebung leben (oft sogar Nachbarn sind) so unterschiedlich sein können. In ihrem Werk „Patterns of Culture“ verglich sich 3 Gemeinschaften: die Zuni (New Mexiko), die Dubuans (Melanesien) und die Kwakiutl (Nordwestküste Amerikas). Als Schlussfolgerung stellte sie fest, dass etwas, was in einer Kultur für wichtig empfunden wird in der anderen oft als verrückt gilt, und umgekehrt. [2]

Kritisiert wurde sie dafür, dass ihre Ansichten oft zu Stereotypisierungen und Schürungen von Vorurteilen führten und somit in Verbindung mit dem Nationalismus gebracht wurden. Sobald man einen starken Kulturrelativismus vertritt ist ein Missbrauch der erforschten Information oft unumgänglich (Ausforschen von (Kriegs-)gegnern). [3]



Margret Mead, beeinflusst durch Sigmund Freud, ist der Überzeugung, dass Kultur die Persönlichkeit eines jeden Einzelnen prägt.
Durch ihre Forschungen kam sie zum Ergebnis, dass die uns bekannten Geschlechterrollen kulturell bedingt seien und nicht genetisch vorgegeben. Sie war die erste Person, die diese Tatsache empirisch zu belegen schien und gab damit den gesamten Sozialwissenschaften neue Impulse. [9]
Außerdem studierte sie die sexuelle Freizügigkeit von heranwachsenden Mädchen in Samoa. Ein bekanntes Werk von ihr war „Coming of Age in Samoa“ (1928), wofür sie später oft kritisiert wurde, da M. Mead meinte, dass vorehelicher Geschlechtsverkehr ohne Liebesverhältnis als normal angesehen wurde, und dass jugendliche Rebellion nicht existierte. [5]


Edward Sapir (1884 – 1939)

In Zusammenarbeit mit seinem Schüler Benjamin Lee Whorf (1897 – 1941) entwarfen sie die „linguistischen Relativitätstheorie“ – Sprache prägt das Denken und das Denken konstruiert wiederum die Wirklichkeit. Wie schon für Boas das „Ausdrücken“ sehr wichtig war, so galt für Sapir und Whorf die Sprache als primärer Ausdruck von Kultur und alles andere war nachrangig. Jedoch haben sie zum damaligen Zeitpunkt gewisse Dinge, wie das Aufwachsen 2-sprachig erzogener Kinder bzw. die Migration, oder den Aspekt, dass Kinder bereits wahrnehmen können noch bevor sie sprechen, außer Acht gelassen.




Boas revolutionäre Ansätze über den schwachen Kulturrelativismus sind heute noch in der Kultur- und Sozialanthropologie anzufinden. [3]









Quellenverzeichnis

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas
[2] persönliche Mitschrift zum Tutorium von Daniela Digruber und Andrea Ben Lassoued zur Vorlesung von Univ. Prof. Dr. Andre Gingrich „Einführung in die Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie“ vom 02.12.2005 an der Universität Wien
[3] persönliche Mitschrift zur Vorlesung von Univ.Prof. Dr. Andre Gingrich „Einführung in die Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie“ vom 09.11.2005 an der Universität Wien
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas
[5] vgl. Barnard, Alan; "History and Theory in Anthropology" 2000, Cambridge University Press, London und Chicago, Kapitel 7 "from relativism to cognitive science", S. 99
[6] vgl. Barth Fredrik, Gingrich Andre, Parkin Robert, Silverman Sydel, “One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology”, 2005, The University of Chicago Press, London und Chicago; Kapitel 1 von Silverman Sydel “The Boasians and the Invention of Cultural Anthropology”, S. 258
[7] persönliche Mitschrift zur Vorlesung von Univ.Prof. Dr. Andre Gingrich „Einführung in die Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie“ vom 11.01.2006 an der Universität Wien
[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Kroeber
[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Mead

Tuesday, November 22, 2005

1. Essay - Evolutionismus








Die Gesellschaften ändern sich ständig und mit ihnen auch die Ansichten der Menschen.

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand eine zur damaligen Zeit revolutionäre Theorie: der Evolutionismus.
Es wurde angenommen, dass jeder Mensch bestimmte Entwicklungsphasen durchschreitet und dass diese Phasen in jeder Gesellschaft gleich sind. Die Spitze der Evolution stellt die industrialisierte bzw. westliche Gesellschaft dar. Andere, „niedrigere“ Gesellschaften müssten diese Stufe erst einmal erreichen um vollkommen zu sein. [1 ]

Die Grundgedanken des Evolutionismus bestanden darin, andere Gesellschaften mit der eigenen zu vergleichen, herauszufinden, wodurch sie sich unterscheiden und welche Gemeinsamkeiten sich herauskristallisieren. Die Erforschung von der Entstehung und Entwicklung „einfacher“ Systeme zu Komplexeren und deren Weiterentwicklung bzw. deren Zerfall stand im Vordergrund.

Mit dem Nachdenken über die Evolution war der Grundstein für das Fach „Kultur- und Sozialanthropologie“ gesetzt. Es entstand aus verschiedenen Ansätzen aus der Biologie und Philosophie. Ein wichtiger Vertreter der Philosophie war unter anderem der französische Aufklärer Jean Jacques Rousseau, oder der Engländer Thomas Hobbes. In der Biologie war Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie Vorreiter.


Die wichtigsten Denker des Evolutionismus’ zu dieser Zeit waren:


Sir Edward Burnett Tylor
(1832-1917)





Lewis Henry Morgan
(1881-1881)





Sir James Frazer
(1854 – 1941)





und

John Ferguson McLennan
(1827 - 1881)



1.) Sir Edward Burnett Tylor (1832 – 1917)

Sir Edward B. Tylor, geboren in London, war Begründer der “Cultural Anthropology”. Aus reicher Quäkerfamilie stammend, wandte er sich kultur- und religionshistorischen Studien zu und machte 1855 eine Forschungsreise nach Mexiko. Seit 1884 lehrte er in Oxford. Als Evolutionstheoretiker unterschied er zwischen verschiedene Stufen der Zivilisation, lehrte aber in seinem Hauptwerk „Primitive Culture“ (1871), dass alle Völker eine in ihrem Rahmen vollständige Kultur besitzen.

„Culture or Civilization, taken in its widest ethnographic sense, is that complex whole which includes knowledge, belief, art, morals, custom, and any other capabilities and habits acquired by man as a member of society“ [2]
Diese Definition von “Kultur” wird teilweise noch heute von vielen Ethnologen als hilfreich angesehen.

Weiters prägte Edward B. Tylor wesentliche Begriffe wie Animismus und Survival.
Unter Animismus versteht man die Beseelung der Natur bzw. bestimmte Geister- und Seelenvorstellungen von Völkern früher gesellschaftlicher Entwicklungsstufen. Animismus ist ein religiöses Weltbild für Gesellschaften, die keine Gottheit kennen. Seelen existieren unabhängig von der materiellen Welt. Tylor stellte fest, dass in fast jeder Gesellschaft der Glaube an Wesen vorhanden ist, die den Tod überleben.

Als „Survivals“ bezeichnet man Kulturmerkmale, von denen man annahm, sie seien „Überbleibsel“ früherer Stufen der menschlichen Entwicklung, die ihre Funktion jedoch verloren haben.



2.) Lewis Henry Morgan (1818 – 1881)

Lewis Henry Morgan war der erste amerikanische Ethnologe von Weltbedeutung.
Er war Rechtsanwalt, Eisenbahnspekulant und Politiker. Bekanntheit erreichte Morgan durch seine Feldforschungen bei den Irokesenvölkern. Stark betroffen von der Ungerechtigkeit, mit der die indigenen Völker von der amerikanischen Regierung behandelt wurden, setzte er sich für sie ein.

WildheitBarbareiZivilisation! 3 Grundbegriffe, die von ihm geprägt wurden. In seiner Theorie vertrat er die Meinung, dass alle Gesellschaften diese 3 Phasen durchlaufen.
Unter Wildheit versteht man die niedrigste Entwicklungsstufe. Sie kennt keine Viehhaltung und keine Nahrungskonservierung; sie sind also ausschließlich Jäger und Sammler.
Die nächste Entwicklungsphase stellt die Barbarei dar – Gesellschaften, die Bodenbau und Viehzucht betreiben.
Als „Krönung“ wird dann letztendlich die Stufe der Zivilisation erreicht, in der die Entstehung von Schrift und Geschichtsschreibung wesentliche Merkmale darstellen um eine weitere Entwicklung zu ermöglichen.
Heute werden diese Begriffe nicht mehr verwendet - deren Inhalt ist jedoch noch aktuell.

Weitere Gedanken von Morgan befassen sich mit den Begriffen Matriarchat und Patriarchat. Seiner Meinung nach ist jedes System zu Beginn ein Matriarchat, d.h. die Frauen haben die Macht inne, und entwickelt sich letztendlich zum Patriarchat (der Mann hat die Verantwortung dafür, Entscheidungen zu treffen) und wird somit zivilisiert.

Lewis Henry Morgan war Entdecker der Verwandtschaftsterminologie (Stichwort: „Mutter-Bruder“). Wegen seines Einflusses auf Karl Marx und Friedrich Engels wurde er zum Klassiker der marxistischen Ethnologie.

Eines seiner bedeutendsten Werke ist: „Ancient Society“ (Die Urgesellschaft – 1984)



3.) Sir James Frazer (1854 – 1941)

Frazer, geboren in Glasgow, zählte zu der typischen Generation der „Armchair-Anthropologists“, d.h. er stützt seine Theorien hauptsächlich auf Forschungsberichte anderer Leute (z.B. Missionare). Er wollte keine Feldforschung betreiben. [3]

Ursprünglich war er klassischer Philologe und studierte und lehrte in Cambridge.
Von E. B. Tylor beeinflusst, befasste er sich intensiv mit Religion (Animismus, Totemismus, Polytheismus, Monotheismus). Diese Begriffe werden heute noch verwendet, jedoch ist deren inhaltliche Beschreibung von damals heute nicht mehr aktuell.
Frazer privilegierte einen Teil von Kultur: nämlich die Wissenschaft. Er glaubt, dass sich Religion nach der primitiven Wissenschaft entwickelt hat, und dass moderne Kultur beide Aspekte enthält.

Diese Generation von Evolutionisten, ob sie sich nun auf Verwandtschaften oder Religion spezialisierten, sieht die Anthropologie als eine Wissenschaft, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Sie suchten Ursprünge, und sie fanden sie unter ihren „primitiven“ Zeitgenossen. [4 ]

Das Hauptwerk von J. Frazer ist: „ The Golden Bough“ (Der goldene Zweig)



4.) John Ferguson McLennan (1827 – 1881)

John Ferguson McLennan war schottischer Jurist und stand in laufender Diskussion mit Lewis Henry Morgan’s Theorie von Matriarchat und Patriarchat. Die Debatte konzentrierte sich auf den Grund, warum die Matrilinearität der Patrilinearität vorangegangen war.
Weiters beschäftigte er sich insbesondere mit den Einflüssen von Hochzeiten. Er prägte Begriffe wie Endogamie und Exogamie.
Als Endogamie bezeichnet man eine bevorzugte oder vorgeschriebene Heiratsregelung, bei der die beteiligten Personen einer bestimmten sozialen Gruppe angehören und innerhalb dieser heiraten sollen oder müssen.
Exogamie stellt genau das Gegenteil dar. Es ist eine Eheform, nach der eine Heirat innerhalb der eigenen sozialen Gruppe verboten ist.

John F. McLennan’s bekanntes Werk heißt „Primitive Marriage“ (1865)




Aus heutiger Sicht und nach heutigem Forschungsstand ist diese lineare Betrachtungsweise des Evolutionismus ungenügend, um die Entwicklung der Kulturen zu erklären. Sie gilt als ethnozentristisch bzw. eurozentristisch und beinhaltet eine Wertung, die die westliche, „zivilisierte“ Welt an die Spitze der Entwicklung stellt und gleichzeitig andere Kulturen als unterentwickelt und primitiv einstuft.

Meiner Meinung nach ist der Evolutionismus eine eingeschränkte Sichtweise der Dinge. Er war wichtig für die Entwicklung der Kultur- und Sozialanthropologie. Gewisse Begriffe wurden erstmals geprägt und die Dokumentation von Erfahrungen war ein wesentlicher Bestandteil.
Leider findet er noch heute in vielen Köpfen statt. Es fängt schon beim kleinen „zivilisierten“ Bürger an, indem er sich selbst besser oder wertvoller einschätzt als Menschen anderer Gesellschaften. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Menschen minderwertig sind. Der ethnozentristische Blickwinkel – wir sind eine starke Nation und andere Länder sollten danach streben unseren Status, unsere industrielle Macht zu erreichen - zeigt eine gewisse Engstirnigkeit. Der Gedanke des Evolutionismus schlängelt sich vorallem hoch bis in die Politik, bzw. in die Wirtschaft. Gewisse Länder sehen sich als Vorreiter (Europa, USA,…weiters Stichwort: Globalisierung). Aus wirtschaftlicher Sicht möge das vielleicht zutreffen, aber zählen nur diese Kriterien, und wer legt die Kriterien fest?! Man kann Dinge nicht nur aus westlicher Sicht betrachten, sich selbst an oberste Stelle positionieren und Andere dementsprechend bewerten.

Wie heißt es so schön: „Man sollte auch einmal über den Tellerrand hinaus blicken“ und andere Gesellschaften akzeptieren – so wie sie sind, "Anders-sein" hat nichts mit gut oder schlecht zu tun!

Zum Abschluss gibt es eine kleine Online-Hörprobe der Europäischen Hymne, komponiert von Ludwig van Beethoven! Es ist, wie ich finde, sehr passend zum Thema Eurozentrismus. Einfach auf den Link klicken und am Ende der Homepage kann man das Lied mit dem RealPlayer oder dem Windows Mediaplayer öffnen - bitte, wenn möglich, ganz anhören :).
Bei mir hat die Übertragung am besten beim 24 kbs Modem funktioniert (habe einen Chello light-Anschluss).



Quellen

[1] vgl. www.wikipedia.org
[2] Eriksen, Thomas Hylland; "Small Places, Large Issues" 2001, Plutopress Verlag, London, S. 12
[3] vgl.Barth, Fredrik; "One Discipline, Four Ways" 2005, The University of Chicago Press, London und Chicago; Kapitel 1 "The Rise of Anthropology in Britain"; S. 3-10
[4] vgl. Barnard, Alan; "History and Theory in Anthropology" 2000; Cambridge University Press, Cambridge, Kaptitel 3 "Changing perspectives on Evolution", S. 37